Panel II. — „Auf den Wehrmauern“

Hier, auf der nördlichen, nordwestlichen und nordöstlichen Seite von Hradisko, blieb die zusammenhängende Linie der römischen Wehrmauer in Form einer deutlichen, etwa 520 m langen Geländewelle erhalten. Sie repräsentiert ein völlig einmaliges Relikt des antiken Militärbauwesens. An dieser Stelle umkreiste sie den Gipfel der Anhöhe, aber in anderen Teilen des Fundortes wurde sie durch die landwirtschaftlichen Aktivitäten im Laufe der Jahrhunderte dem Erdboden gleichgemacht.

Visualisierung der Gräben und Wehrmauern.

Aufgrund der heute bekannten Abschnitte der Wehrmauer mit einer Länge von mehr als 2,6 km kann man den Gesamtumfang der Fläche mit dem höchsten Vorkommen von römischen Militärdenkmälern auf ungefähr 30–35 Hektare abschätzen. Die Wehrmauer bestand aus einem mächtigen, 3 bis 4 m hohen Wall, der von der beim Ausschachten der Gräben gewonnenen Erde aufgeschüttet und auf den beiden Seiten mit flachgelegten Lehmziegeln verkleidet wurde. Auf der Wallkrone befand sich vermutlich ein mit Holzbrettern gepflasterter Wehrgang. Aus Holzbrettern, die auf einer vertikalen, in dem Wall eingebetteten Balkenkonstruktion befestigt waren, wurde auch die Brustwehr gebaut. Diese ermöglichte den Verteidigern eine effektivere Deckung hinter einzelnen Zinnen.

Eine Luftansicht der Ausgrabungen einer Doppellinie von Gräben im südwestlichen Teil der Befestigung

Auf der Außenseite des Walls befanden sich bis zu 3 m tiefe Spitzgräben. Deren Anzahl war in einzelnen Abschnitten der Fortifikation unterschiedlich: in einigen Teilen der Anhöhe erfasste man nur einen Graben, im ganzen südlichen Bogen der Befestigung gab es zwei parallele Gräben und in einem etwas kürzeren Abschnitt befanden sich in regelmäßigen Abständen vor dem Wall sogar drei Gräben. Insbesondere auf dem südlichen und östlichen Hang der Anhöhe entdeckte man mehrere Linien der Gräben. Sie deuten an, dass sich der Umfang der befestigten Fläche während einzelner römischer Militäroperationen geändert hat. Eine genaue Datierung und Rekonstruktion einzelner Bauphasen der römischen Festung sind aber erst eine Aufgabe für die Archäologie in der Zukunft. Die Fortifikation umfasste auch einfache hölzerne Wachtürme von quadratischem Grundriss, die in dem Wall eingelassen waren. Diese Türme sowie die bisher bekannten Tore erfasste man in niedriger gelegenen Teilen der Anhöhe östlich der Staatsstraße und unter dem heutigen Aquapark.

Abbildung der Befestigung eines Lagers im Feindesland während der Markomannenkriege (die Mark-Aurel-Säule in Rom)

Die Verwendung von Lehmziegeln in den Wehrmauern auf Mušov repräsentiert einen besonderen archäologischen Befund, der darauf hinweist, dass hier die Römer eine langzeitig benutzte Festung errichten wollten. Die Herstellung von solchen Ziegeln war gar nicht einfach, sie erforderte eine sorgfältige Organisation der Herstellungsverfahren sowie qualitätsvolle Flussbodensedimente, die weiter verarbeitet und in die Formen gestampft wurden. Danach mussten sie für eine bestimmte Zeit natürlich trocknen. Im Hinblick darauf, dass man auf Hradisko den Bedarf an einigen Hunderttausenden von Lehmziegeln voraussetzen darf, handelt es sich um das Beispiel eines enormen Aufwands der Römer, um die Befestigung zu bauen.

Kleine greifenförmige Bronzeskulptur aus Hradisko

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