Panel X. — „Wissen Sie, wer hier vor Ihnen gecampt hat?“

Versuchen Sie sich für eine Weile das gegenwärtige bebaute Erholungsgebiet in Pasohlávky wegzudenken und sich in Gedanken beinahe zweitausend Jahre zurück zu versetzen. Vor Ihnen öffnet sich eine ähnlich lebhafte Szenerie, wie sie auch heute hier zu finden ist. In Richtung zum heutigen Aqualand-Gebäude erblicken Sie mächtige Wehrmauern mit Türmen und einem Tor, durch welches römische Legionäre, Händler und deren örtliche germanische Verbündeten hinein- und hinausgehen. Hinter den Wehrmauern erhebt sich ein geräumiges Gebäude des römischen Militärkrankenhauses. Von Römern wimmelt jedoch auch die flache Anhöhe am Horizont auf Ihrer linken Hand und ihr ganzer südlicher Hang. Nur an der Stelle des heutigen Stausees sehen Sie eine gegliederte Landschaft mit Auwäldern und vielen Seitenarmen des Flusses Thaya (Dyje). Willkommen zu Pasohlávky des Jahres 173 n. Chr.!

Eine Luftbildaufnahme aus dem Jahre 1953 vor der Erbauung der Nové Mlýny-Stauseen, mit dem ursprünglichen Flussbett der Thaya.

Den antiken Namen des Ortes, der heutzutage als Hradisko bei Mušov bezeichnet und als ein besonders hochwertiges Kulturdenkmal der Tschechischen Republik geschützt wird, kennen wir leider nicht. Dank langjähriger archäologischer Ausgrabungen können wir trotzdem darüber sagen, dass es ein Ort war, den die römische Armee während der ersten zwei nachchristlichen Jahrhunderte mehrmals zur Erbauung ihrer wichtigsten Befestigungsanlage auf dem Territorium der germanischen Markomannen ausgewählt hat. Vermutlich schon im 1. Jh. n. Chr. baute man hier ein römisches Lager, dessen genaue Größe und Datierung bislang nicht mit Sicherheit bekannt sind.

Danach in den Jahren 172–180 (während der sog. Markomannenkriege), unter der Herrschaft des berühmten Kaisers Mark Aurel, befand sich hier eine ausgedehnte Befestigungsanlage, die größte innerhalb des ganzen germanischen Gebietes. Es war aber kein gewöhnliches Lager zur Unterbringung der Militäreinheiten. Die Anlage diente gleichzeitig auch als Hauptquartier des Oberkommandos der Besatzungsarmee, das die Militäroperationen auf dem gesamten Gebiet heutigen Mährens und Niederösterreichs koordinierte. An dieser Stelle befanden sich das logistische Hinterland der römischen Legionen (Handwerkerwerkstätten, Proviantlager usw.) sowie Gebäude für die Verwundetenpflege oder Unterbringung von besonders hochgestellten Personen, vielleicht auch aus dem engsten Umkreis des Kaisers Mark Aurel. Möglicherweise hat auch der Kaiser selbst hier für einige Zeit verweilt. Einzelne Stationen dieses Lehrpfades führen Sie zu Stellen, wo die bedeutsamsten Entdeckungen aus dieser Zeit ans Licht gekommen sind.

Schema der zentralen Besatzungsbasis der römischen Armee in der Nähe von Hradisko bei Mušov.

Die Befestigung auf Hradisko stand aber nicht isoliert auf der Anhöhe, sondern repräsentierte den Mittelpunkt einer sinnvoll konzipierten Landnahme, die sich die römische Armee als ihr eigenes Territorium innerhalb der von Germanen dicht besiedelten Landschaft abgegrenzt hatte. Im Osten wurde die Grenze dieses Gebietes durch den Fluss Jihlava und im Süden durch die Thaya dargestellt. Von Norden und Westen wurden dann die Anhöhe Hradisko und ihre Umgebung durch eine mächtige Fortifikation geschützt. Sie bestand aus einem Holz-Erde-Wall und einem Graben und erstreckte sich vom Fluss Jihlava bei der Gemeinde Ivaň bis zum östlichen Rand der Gemeinde Pasohlávky und dann weiter nach Süden bis an die Thaya.

Diese mehr als 2,5 km lange Wehrmauer war an einigen Stellen durch Tore unterbrochen. Den Zugang in diesen befestigten Raum mit einer Größe von ungefähr 4 km2, aus dem die einheimischen Germanen, die gegenüber Rom nicht loyal gewesen sind, vermutlich vertrieben wurden, schützten dann weitere Besatzungen, die in Feldlagern in der Umgebung stationiert waren. Solche Lager entdeckte man in der Gemeinde Ivaň und in der Flur Mušov – Na Pískách auf dem rechten Ufer der Thaya. Dieses gesamte ausgedehnte System betrachten die Archäologen gegenwärtig als den Kern der römischen Besetzung des heutigen südmährischen Gebietes. Wären die Pläne des Kaisers Mark Aurel zur Errichtung einer neuen Provinz in Erfüllung gegangen, sollte dieses Gebiet offensichtlich ihr neues Verwaltungszentrum darstellen.

Der freigelegte Teil des äußeren Langgrabens nördlich von Hradisko.

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Anzahl Panel Panel Titel Link
I. Alle Wege führen aus Rom Panel I
II. Auf den Wehrmauern Panel II
III. Unser ältestes Bad Panel III
IV. Werkstätten Panel IV
V. So weit das Auge reicht Panel V
VI. Hradisko bei Mušov Panel VI
VII. Das Hafentor Panel VII
VIII. Die Verwundetenpflege Panel VIII
IX. Der erste Römer in Mähren (?) Panel IX
X. – schaut sich gerade Wissen Sie, wer hier vor Ihnen gecampt hat? Panel X
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