Panel I. — „Alle Wege führen aus Rom“

Im zweiten nachchristlichen Jahrhundert erreichte das Römische Reich die größte räumliche Ausdehnung. Seine Donau- und Rhein-Grenzen haben den europäischen Kontinent in zwei unterschiedliche Welten aufgeteilt. Auf einer Seite stand der höchstentwickelte und mächtigste Staat des Altertums mit seiner legendären unschlagbaren Armee und reichen Provinzen in Europa, Asien und Afrika. Auf der anderen Seite lebten die anfangs zerstreuten, ökonomisch und politisch nicht sehr starken germanischen Stämme, die von den Römern als Barbaren bezeichnet worden sind. Unseres Gebiet wurde damals von einem dieser Stämme besiedelt, nämlich von den Markomannen. Die ganze Römische Kaiserzeit (1.–4. Jh. n. Chr.) war durch eine bunte Skala von Kontakten zwischen germanischen Stämmen und dem Römischen Reich in Mitteleuropa gekennzeichnet. Meistens handelte es sich dabei um nachbarliche, geschäftliche und diplomatische Kontakte. Die Reichsgrenzen waren nicht unpassierbar, die Germanen besuchten die Märkte in römischen Städten und die römischen Händler sind auf bekannten Wegen ins barbarische Gebiet vorgedrungen. Die Römer versuchten es ständig, zwar auf diplomatischen Wegen, selbstverständlich aber aus der Position der Macht, die innenpolitischen Verhältnisse der Germanen zu beeinflussen. Manchmal wurden diese Beziehungen durch Kriegsereignisse gestört, die jedoch oft einen grundsätzlichen Wandel in gegenseitigen Beziehungen bedeutet haben.

Abbildung der Befestigung eines Lagers im Feindesland während der Markomannenkriege (die Mark-Aurel-Säule in Rom)

Die Forscher vom Archäologischen Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Brno beschäftigen sich langzeitig mit der Freilegung von Relikten, die von der römischen Armee auf heutigem Gebiet Südmährens hinterlassen worden sind. Die Geländeforschungen haben allmählich nachgewiesen, dass die deutlichsten Spuren berühmter römischer Legionen unter der Oberfläche im Kataster des heute bereits nicht mehr existierenden Dorfes Mušov zu finden sind, insbesondere auf dem Gipfel und den Hängen des Hügels Hradisko – gerade an den Stellen, wo Sie jetzt stehen. Der Großteil der Fläche von Hradisko wurde bisher nicht untersucht, trotzdem kann man aber schon heute konstatieren, dass hier die römische Armee im Laufe des 1. und 2. Jahrhunderts mehrmals ihre Militärlager gebaut hatte. Dies passierte gerade in den Jahren, wo die geschäftlichen und politischen Kontakte durch Kriegskonflikte ersetzt wurden. Die ausführlichste Kenntnis und die meisten archäologischen Belege besitzen wir bislang in Bezug auf einen großen Kriegskonflikt aus der Zeit von Kaiser Mark Aurel – die sogenannten Markomannenkriege (166–180 n. Chr.).

Nach den ersten germanischen Attacken überging das römische Heer zu offensiven Operationen und in den Jahren 172–180 besetzte es auch den südlichen und zentralen Teil heutigen Mährens. Damals baute man auf Hradisko eine ausgedehnte befestigte Kommandobasis. Gegen Ende der Kriege war das ganze Markomannengebiet durch die römischen Legionen besetzt und Mark Aurel hatte offensichtlich vor, es dauerhaft ans Römische Reich anzuschließen. Am Anfang des Jahres 180 ist der Kaiser jedoch plötzlich gestorben und die neue außenpolitische Strategie seines Nachfolgers Commodus bedeutete das Ende dieser Etappe und die Rückkehr der römischen Armee hinter die vorkriegszeitliche Donaugrenze. Trotzdem machten die Markomannenkriege unser Gebiet für eine kurze Zeit zum Schauplatz der Ereignisse von besonderer historischer Bedeutung. Auch deswegen zählen die archäologischen Denkmäler aus dieser Zeit zu den bedeutsamsten kulturellen Werten in der Tschechischen Republik und repräsentieren einen untrennbaren Teil des europäischen Kulturerbes.

Die Hauptrichtungen der Militäroperationen während der Markomannenkriege.

Archäologische Grabungsflächen auf Hradisko und in dessen Umgebung.

Die ältesten römischen Funde aus Hradisko bei Mušov stammen bereits aus dem 17. Jahrhundert und der Historiker F. J. Schwoy behauptete im 18. Jahrhundert sogar, dass hier eine römische Stadt gestanden habe. Erst im Jahre 1925 begannen an diesem Fundort die ersten systematischen archäologischen Ausgrabungen, die hier in den Jahren 1926–1928 vom Prager Archäologen deutscher Abstammung Anton Gnirs mit der Unterstützung vom Büro des Präsidenten T. G. Masaryk durchgeführt worden sind. Die moderne Tradition archäologischer Grabungen auf Hradisko wurde im Jahre 1984 von Jaroslav Tejral gegründet. Seine Entdeckungen bedeuteten einen Durchbruch in der Erkenntnis der Fundstelle und deckten ihre europaweite Bedeutung auf. Seither wird die römische Militäranlage vom Archäologischen Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Brno, einem der Pfeiler der archäologischen Forschung in unserem Land, durchgeführt.

Die Ausgrabungen auf Hradisko

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V. So weit das Auge reicht Panel V
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VII. Das Hafentor Panel VII
VIII. Die Verwundetenpflege Panel VIII
IX. Der erste Römer in Mähren (?) Panel IX
X. Wissen Sie, wer hier vor Ihnen gecampt hat? Panel X
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